Diese Ausgabe wurde vollständig restauriert, mit moderner Typografie, individuellem Coverdesign und korrigierter Formatierung. Karl Philipp Moritz' Anton Reiser ist ein psychologischer Roman an der Grenze zur Biographie, der nicht äußere Abenteuer, sondern die innere Geschichte eines empfindsamen Menschen verfolgt. Im Mittelpunkt steht Antons Entwicklung in einer von quietistischer Frömmigkeit, ehelichem Streit und seelischer Kälte geprägten Familie, die seine frühe Einsamkeit und sein Bedürfnis nach Zuneigung verstärkt. Als Kind findet er in Büchern, religiöser Lektüre und mystischer Andacht Trost, doch seine kindlich-ernste Religiosität mischt sich stets mit Angst, Selbstverleugnung und Fantasie. Später erlebt Reiser Demütigung, soziale Ausgrenzung und ständige Selbstzweifel, während er verzweifelt versucht, tugendhaft und anerkannt zu sein. Zugleich öffnet ihm das Lesen wissenschaftlicher und philosophischer Werke eine neue geistige Welt, in der er über Denken, Sein und die Grenzen des Menschen nachsinnt. Spaziergänge, Naturerfahrungen und bedrückende Beobachtungen von Hinrichtungen oder geschlachteten Tieren vertiefen seine existenzielle Unsicherheit. Zwischen religiöser Sehnsucht, intellektuellem Ehrgeiz und psychischer Überforderung entsteht das Bild eines jungen Menschen, der schmerzhaft nach Identität, Sinn und innerem Halt sucht.