Diese Ausgabe wurde vollständig restauriert, mit moderner Typografie, individuellem Coverdesign und korrigierter Formatierung. Die Ausgabe von 1828 präsentiert Ciceros Zwei Bücher von der Weissagung nicht als fortlaufende Handlung, sondern als gelehrte, editorisch erschlossene Auseinandersetzung über Religion, Vorzeichen und Zukunftsschau. Schon das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung machen deutlich, dass Cicero als scharfsinniger, skeptischer Beobachter auftritt, der im Gespräch mit seinem Bruder Quintus die verschiedensten Formen der Divination prüft: Träume, Orakel, Augurenwesen, Haruspizien, Astrologie und göttliche Eingebungen. Der Text entfaltet dabei eine lebendige Debatte über die Frage, ob Weissagung wirklich existiert, wie sie sich begründen lässt und welche Rolle Götter, Schicksal und Natur dabei spielen. Im ersten Buch wird die Weissagung als uralte, bei vielen Völkern verbreitete Wissensform verteidigt. Cicero verbindet ethnographische Beispiele aus Assyrien, Chaldäa, Ägypten und Griechenland mit römischen Staatspraktiken, in denen Auspizien, Sibyllinische Bücher und Opferzeichen politische Entscheidungen absicherten. Zugleich wird die Lehre philosophisch geprüft: Nur wenige Denker lehnen sie grundsätzlich ab, während vor allem die Stoiker sie umfassend anerkennen. Trotz Skepsis bleibt der Text überzeugt, dass einzelne erfüllte Vorzeichen, historische Zeugnisse und die lückenlose Kette des Schicksals für die Wirklichkeit der Weissagung sprechen.