In Die Indianer Nordamerikas entwirft George Catlin ein vielschichtiges Panorama der indigenen Gesellschaften des nordamerikanischen Kontinents im frühen 19. Jahrhundert. Das Werk verbindet Reisebericht, ethnographische Beobachtung und kulturhistorische Dokumentation zu einer anschaulichen Darstellung von Lebensweisen, Ritualen, politischer Ordnung und materieller Kultur. Stilistisch zeichnet es sich durch präzise Beschreibung, emphatische Unmittelbarkeit und den Anspruch aus, eine bedroht erscheinende Welt festzuhalten; damit steht es an der Schnittstelle von romantischer Reiseliteratur und früher Ethnologie. Catlin, amerikanischer Maler, Schriftsteller und Reisender, ist vor allem durch seine ausgedehnten Aufenthalte unter zahlreichen indigenen Nationen bekannt geworden. Seine Begegnungen im Westen Nordamerikas, seine Porträts, Landschaftsbilder und Aufzeichnungen waren von dem Bestreben getragen, Menschen, Sitten und Zeremonien aus eigener Anschauung zu dokumentieren. Gerade diese Verbindung von künstlerischem Blick, persönlicher Feldbeobachtung und zeitgenössischem Bewusstsein für die Folgen kolonialer Expansion prägte die Entstehung dieses Buches wesentlich. Wer sich für nordamerikanische Geschichte, Kolonialismus, Ethnographie oder die kulturelle Selbstbehauptung indigener Gemeinschaften interessiert, wird dieses Werk mit großem Gewinn lesen. Es ist zugleich historische Quelle und literarisches Zeugnis, aufschlussreich in seinen Beobachtungen und ebenso wichtig wegen seiner Perspektive und ihrer Grenzen.